Sonntag, 25. September 2011

Nepal - Panauti und Bhaktapur

Nach 3 Tagen im extrem touristischen Kathmandu wollten wir gern noch ein paar Orte in der Umgebung anschauen. Unsere Wahl fiel auf Panauti und Bhaktapur, die beiden besterhaltensten Newar-Siedlungen Nepals. Also stiegen wir am Donnerstag morgen (22.09.11) in den öffentlichen Bus nach Panauti, ein kleiner Ort kurz außerhalb des Kathmandutals. Nach 1,5 Stunden Fahrt kamen wir dort an und suchten uns ein Hotel. Die Auswahl dort war nicht sehr groß und es regnete, so dass wir uns gezwungermaßen im ortsansässigen Hotel für unverschämte 10 € einquartierten.


Das überteuerte Hotel

Örtlicher Bus :-)

Wasserbüffel auf Reisen :-)

Entzückendes Hundekind :-)

Kleiner Laden, verziert mit Schnitzereien


Die Kinder hier liiiieben es, fotografiert zu werden.
Sie sprechen einen an "One photo please", stellen sich in Pose und freuen sich dann,
wenn man ihnen das Bild auf dem Display zeigt :-)


Hühner auf der Schwelle :-)

Die Kinder turnen sogar fürs Foto und freuen sich dann übers Bild :-)


Er hatte grad nen kleinen Bock :-)


Hängebrücke



Wäsche trocknen mal anders :-)

Schöne Tür, oder?

Sie sortierte grad die Küken in 2 verschieden Körbe, vorher bekamen
sie kopfüber aus einer Schale ein kleines Zwangsschlückchen zu trinken
(siehe ihre rechte Hand) :-)

Kleine Gasse in Panauti


In Panauti waren wir so ziemlich die einzigen Touristen. Doch plötzlich sprach uns eine junge Frau auf deutsch an und erzählte uns, dass sie seit 2 Wochen hier im Ort ist und Volontärin an einer Schule macht. Das heißt, dass sie dort gegen freie Kost und Logis an der Schule mithilft. Das war natürlich für uns eine gute Gelegenheit, endlich mal eine Schule in Nepal anschauen zu können. Im Ort hatten wir schon einige Kinder mit blauer Schuluniform gesehen und nun zeigte uns die Volontärin netterweise diese kleine staatliche Schule.

Verglichen mit dem, was wir von Deutschland gewohnt sind, sind die Zustände katastrophal. Viiiiiel zu wenig Platz für die knapp 300 Kinder, zu dunkle und schmutzige Räume, zu wenig ausgebildete Lehrer, kein Lehrplan und überall der Geruch von Toiletten. Das Schulgebäude steht wohl unter Denkmalschutz, so dass keine großen Umbaumaßnahmen getroffen werden können. Bei einem Gespräch mit einem Lehrer (der eigentlich auch nicht als Lehrer ausgebildet ist) merkten wir deutlich die große Hilflosigkeit und gewissermaßen auch Apathie. Auf meine Nachfrage, ob man denn nicht zumindest die Wände neu weißen könne, sagte er, dass es möglich sei.... Aber scheinbar geht es nicht voran. Am Liebsten wären wir selbst losgegangen, hätten Farbe besorgt und losgelegt. Die Volontärin hatte auch die gute Idee, die Tische hell zu streichen, so dass in die Räume mehr Licht kommt. Wir sind gespannt, was dort zukünftig noch passieren wird. Die Volontärin schreibt auch einen Blog, wer möchte, kann mal selbst nachlesen, was sie dort erlebt.

Klassenzimmer der 2. Klasse

auch ein Klassenzimmer (auf dem Foto erscheint es heller als es ist)


Schülerin der 5. Klasse

Schülerinnen arbeiten an einer Wandzeitung über Nepal

Das ist der Kindergarten :-/

Versammlung vor der Schule


Gaaaanz cool ;-)



Die Volontärin erzählte uns noch, dass sich vor kurzem eine 15 jährige Schülerin wegen familiärer Vernachlässigung das Leben genommen hat. Extrem traurig. :-( Die Kinder dort im Ort haben ein schweres Los - sie stehen morgens um 4 auf, arbeiten, gehen zur Schule, gehen nach Hause und arbeiten wieder. Manche Kinder - besonders Mädchen - können auch nicht zur Schule kommen, weil sie zuhause helfen müssen. Der Besuch in dieser Schule machte uns sehr nachdenklich und traurig, regte etliche Gedanken und Überlegungen an. Leider war die Zeit zu kurz, um noch mehr zu erfahren, geschweige denn etwas auszurichten. Die Volontärin schreibt auch einen Blog, wer möchte, kann dort auch mal nachlesen. Einfach hier auf folgenden Text klicken: Magda in Nepal

In Panauti fließen die beiden Flüsse Punyamati und Roshi zusammen. Dort steht das heilige Tempelareal Khware Ghat. Neben kleinen Tempeln gibt es schräge Steinplatten, auf die Sterbende gelegt werden, damit das Flusswasser im Augenblick des Todes ihre Füße berührt. Anschließend werden dort Verbrennungszeremonien abgehalten. Neben dem Khware Ghat steht die vermutlich älteste Pagode Nepals, erbaut 1294, restauriert 1988. Ihr Name ist Indreshwar Mahadev Mandir.


Tempelanlage "Khware Ghat"


Verbrennungsstelle





Die schrägen Steinplatten für die Sterbenden sind aufgrund
des hohen Wasserstandes grad nicht zu sehen

Indreshwar Mahadev Mandir


Blick über Panauti





Am nächsten Tag fuhren wir weiter nach Bhaktapur, eine etwas größere Stadt im Kathmandutal. Diese Stadt wirkt mittelalterlich, da fast alles aus rotem Backstein gebaut ist - sowohl Häuser als auch Straßen. Das Rot der Ziegelsteine ergibt einen schönen Kontrast zu all den vielen dunklen Holzschnitzereien der etlichen Handwerksläden. Leider muss man als Besucher dieser Stadt 15 $ Eintritt zahlen, die aber angeblich in die Erhaltung und Sanierung der Stadt gesteckt werden. Stolz trägt Bhaktapur den Titel "Unesco-Weltkulturerbe", neue Gebäude müssen im traditionellen Baustil errichtet werden.


Öffentlicher Bus auf dem Weg nach Bhaktapur :-)
Wir saßen aber in einem anderen :-)


Durbar Square In Bhaktapur



Ziegen auf Reisen :-)




Armes Kerlchen mit kranker Haut


Frische Bananenlieferung



Tante Emma Laden

Frauen holen Wasser an der Wasserstelle - längst nicht jedes Haus hat fließendes Wasser


Taumadhi Tol - das Zentrum Bhaktapurs newarischer Kultur

Nyatapola-Tempel
Nepals größte Pagode mit den perfektesten Proportionen

Töpfermarkt "Pottery Square"
:-)



Wir quartierten uns in einem Guesthouse ein, dass über einem Laden für traditionelle Holzschnitzereien liegt und erst seit gut 3 Monaten in Betrieb ist. Entsprechend chaotisch und unerfahren ist auch die Chefin gewesen :-) Aber sehr lieb und herzlich, wir fühlten uns wie in die Familie aufgenommen. Beim Frühstück bestellten wir zum Beispiel Porridge. Die Chefin stellte uns dann das Porridge ungekocht wie Müsli vor die Nase, dazu noch ohne Milch. Als wir ihr sagten, dass man Porridge erst kochen muss, lachte sie herzlich und gab zu, dass sie dies noch nie zubereitet hätte, da es noch nie jemand zuvor bestellt hatte. :-) Bei den Rechnungen verrechnete sie sich auch grundsätzlich ;-)


Unser Zimmer im Guesthouse :-)
Recht dunkel und sehr niedrige Deckenhöhe, aber gemütlich und sauber


Beim gemeinsamen Essen erfuhren wir auch so einige interessante Informationen. In Nepal ist es immer noch Brauch, dass die Eltern aussuchen, mit wem die Kinder verheiratet werden. Zudem herrscht in Nepal nach wie vor das Kastensystem, das eine Besonderheit des Hinduismus ist. Die Menschen werden in 4 Hauptgruppen eingeteilt und die Zuteilung in eine Kaste ist erblich. Heutzutage ist die Kastendiskriminierung in Nepal offiziell verboten, aber nach wie vor werden Angehörige der unteren Kasten von den höheren Kasten gemieden und Mischehen sind völlig undenkbar. Solche eine Vermischung ist ein großer Skandal und führt meist zum Ausstoß aus der Familie, was in Nepal eine große Strafe ist.

Nach 2 Tagen und Nächten in Bhaktapur -leider mit viel Regen - machten wir uns am Sonntag, 25.09., wieder auf den Rückweg nach Kathmandu.

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