Samstag, 3. September 2011

China - Kunming

Unsere Befürchtungen bezüglich der Zugfahrt wurden mal wieder übertroffen. Frei nach dem Motto „Schlimmer geht immer“ war das Abteil super dreckig und wir bekamen keine frische Bettwäsche, mussten also die der gerade vorher ausgestiegenen Leute weiter benutzen. :-( Lediglich ein neues Laken wurde uns gegeben. Gruselig…

Platz für unsere großen Rucksäcke gab es auch nicht mehr, also kauerten wir uns neben unsere Rucksäcke auf das Bett. Die alten Laken haben wir einfach gewendet, um die neuen Laken als Decke nehmen zu können, Kopfkissen waren unsere Rucksäcke. Zumindest wurde in diesem Waggon nicht auf den Boden gespuckt, auch wenn die obligatorischen ekelhaften Geräusche zu hören waren. Rauchverbote interessieren in chinesischen Zügen auch niemanden wirklich… Doch selbst 22 Stunden gruselige Zugfahrt haben irgendwann ein Ende, so dass wir am Mittwoch, 31.08. früh morgens um 6 in Kunming in der Provinz Yunnan ankamen.



Blick aus unserem "Abteil"


Alles dabei - Gabel, Gewürze und eingeschweißtes Gemüse :-)

Nur noch heißes Wasser dazu und fertig :-)

Standardverpflegung im Zug: Fertignudeln :-) Lecker, aber nach ner Weile machen sie Bauchweh



Jan wie immer ganz entspannt :-))


Am Zocken gegen die Langeweile :-)




Leider hatten wir kein Hostel vorgebucht und das erste Hostel, das wir aufsuchten, hatte keine freien Betten mehr. Da das Personal aber sowieso unfreundlich und desinteressiert war, waren wir nicht böse darum. Wir nutzten dort das drahtlose Internet (Wifi) und buchten uns einfach ein anderes Hostel, wo wir dann mit Sack und Pack hin spazierten. So ein Rucksack hat übrigens die Angewohnheit, sein Gewicht je nach zu laufender Strecke verdoppeln zu können ;-)

In dem anderen Hostel gefiel es uns sehr gut, es lag zentral und wir konnten von dort prima Kunming erlaufen.

Unser Hotel bzw Youth Hostel

Blick von der Dachterrasse
Platz vor dem Hostel
Gemütlich auf der Dachterrasse vom Hostel :-)

Mit uns in dem Sechserzimmer schlief ein netter Amerikaner namens Dan, der seit 12 Jahren in Japan lebt und uns noch eine große Hilfe sein sollte. Doch dazu später mehr. Zuerst buchten wir wieder unsere Weiterfahrt nach Chengdu für den 3. September und einen Ausflug für den kommenden Tag zum Steinwald in Shilin. Abends waren wir in einem Lokal die örtliche Spezialität „Über-die-Brücke-Nudeln“ essen, wo uns wildfremde Leute aus Amerika mit einer chinesischen Freundin sehr nett beim Bestellen halfen, da alles nur auf Chinesisch ausgeschildert war. Man bekommt eine Schüssel mit heißer Brühe, in die man dann diverse Zutaten hinein gibt, welche man sich im Vorfeld an der Kasse bestellen muß. Nun heißt es abwarten bis alles schön durchgezogen ist und fertig ist das leckere Nudelsüppchen :-) Klingt unspektakulär, war aber sehr lecker.                          

                                  

Allerdings nahm das Unglück nun seinen Lauf… Um den Rucksack und die Kamera in ihrer Tasche nicht auf den schmutzigen Fußboden des Lokals stellen zu müssen, platzierte ich Rucksack und Kamera auf dem freien Stuhl neben mir. ( Anmerkung der Redaktion: Da ich -> Sabrina für das Berichteschreiben zuständig bin, verwende ich nun der Einfachheit halber auch mal die Ich-Form, anstatt immer in der dritten Person von mir selbst zu reden :-) Jeder von uns hat seine bestimmten Zuständigkeiten: Jan ist der Finanzmeister, der das Geld verwaltet, ich tippe die Berichte für euch, Jan ist der weltbeste Schlepper für unnatürlich schweres Gepäck und dafür zuständig, es auf in knapp 2 Meter Höhe angebrachte Gepäckablagen zu wuchten. Allabendliche Kostenübersicht erledigen wir gemeinsam, die schönen Fotos werden hauptsächlich von Jan geschossen, die Erklärbär-Videos werden auf meinen Wunsch hin gedreht, Jan führt alles prima vor :-))

Doch zurück zum Unfallbericht - der Rucksack stand nicht sonderlich gut, kippte um und stieß die Kamera auf den Boden. Wir haben uns nichts weiter dabei gedacht, da sie ja in ihrer Schutzhülle steckte. Abends jedoch wollte Jan die Bilder des Tages anschauen und entdeckte mit Schrecken, dass das Display zerbrochen war und man auch durch das kleine Guckefenster nichts mehr sehen konnte. Ach du Schande!!! :-( Die Kamera hatte Jan extra für unsere Reise vor 7 Wochen gekauft :-(






Gott sei Dank bin ich bei einer hervorragenden Versicherung versichert, der LVM, genauer gesagt das Büro von Herrn Schönwetter in meiner alten Heimat Kaufungen! *Klick hier, wenn du eine gute Versicherung brauchst :-)* 
Ich mailte meiner Versicherung noch am selben Abend den Schaden und sie sagten mir zu, die kaputte Kamera zu ersetzen, falls sie nicht mehr zu reparieren sei. Wir also am nächsten Nachmittag (vormittags war der Ausflug in den Steinwald schon gebucht) mit Hilfe von dem netten Amerikaner Dan losgerannt, um einen Kameraladen zu finden. Leider hatten wir mit unseren Befürchtungen recht und niemand in den 3 oder 4 Fotoläden, die wir abklapperten, sprach Englisch. Zum Glück hatten wir Dan zum Übersetzen mitgenommen.

Leider war die Kamera nicht mehr zu reparieren, da scheinbar nicht nur das Display,  sondern innendrin etwas zerbrochen ist. Somit kauften wir eine neue Kamera, die fast identisch mit unserer alten ist. Im Hostel fotografierten wir dann die Quittung und die kaputte Kamera und schickten dies per Email an die Versicherung. Und ihr ahnt es nicht – am nächsten Tag war der Scheck über den Kaufbetrag schon bei unserer Heimatstation, bei Jans Eltern angekommen. Wahnsinn! Spitzenmäßiger Service! :-) Herzlichen Dank, lieber Herr Schönwetter :-) (er liest manchmal unseren Blog mit ;-))




Unser Besuch im Steinwald „Shilin“ musste leider ohne die gute Kamera stattfinden, was Jans Stimmung etwas trübte, aber wir hatten die kleine alte Digitalkamera dabei, so dass wir zumindest ein paar Bilder schießen konnten. Der Steinwald ist ein schönes Ausflugsziel, die Steinformationen sind wirklich toll anzusehen. Allerdings ist der Eintritt mit ca 18 Euro pro Person völlig überteuert und es wimmelt von chinesischen Touristen. Für ein Drittel des Geldes wäre es vielleicht ok.








Dieses Gebilde heißt "Mutter und Sohn" :-)

"stiller Wanderer"















Am nächsten Tag wollten wir einen im Umkreis von Kunming gelegenen See Dian Chi mit angrenzenden Westbergen (Xi Shan) besichtigen, der Reiseführer versprach eine schöne Umgebung, die einen Besuch wert ist. Leider enttäuschte uns dieser Ausflug, denn es war (wie bisher meistens in China) so extrem diesig, dass man nach dem recht anstrengenden Aufstieg und langem Marsch auf die Berge so gut wie keine Aussicht hatte, dafür wieder viiiiiele chinesische Touristen. Mhmmmm... Unsere Begeisterungsstürme hielten sich in Grenzen... Das am Berg gelegene Drachentor war zum Glück ganz nett anzuschauen, musste allerdings auch extra bezahlt werden. In China scheint es übrigens so gut wie keine Sehenswürdigkeiten ohne Eintritt zu geben. 














Die Stadt Kunming an sich ähnelt jeder anderen chinesischen Großstadt, die wir bisher sahen, lediglich ist es hier nicht so heiß und schwül, weswegen Kunming wohl auch als die „Frühlingsstadt“ bezeichnet wird.

Hundekind-Händler am Straßenrand :-/



Kätzchen gabs auch...




Bahnhof Kunming


Bahnhofswartehalle voller Chinesen :-)

Am nächsten Morgen, Samstag, den 03.09. stiegen wir morgens wieder in den Zug, um uns 20 Stunden auf den Weg nach Chengdu zu machen. Diesmal erwarteten uns 20 Stunden Hartschläferabteil mit mittleren Betten. Schlauerweise hatten wir schon von Kunming aus ein Hostel in unserem nächsten Ziel Chengdu vorgebucht und auch schon die nächste Weiterfahrt für den Dienstag, 06.09. von Chengdu nach Xi’an. Im Abteil mit uns waren ein scheinbar uraltes chinesisches Ehepaar, eine junge Chinesin und ein adrett gekleideter chinesischer junger Mann. Hätte also schlimmer sein können ;-)




1 Kommentar:

  1. Hallo Jasa,

    oje, bei dem Zug muß man aber echt schon eine Ekelgrenze überwinden. Für mich wär das nix!
    Die Bilder vom Steinwald sind auch mit alter Kamera gut geworden!
    Ich kann mir gut vorstellen, wie Sabrina beim Anblick der Hunde- und Katzenbabys gelitten hat.
    Viele Grüße Ines

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