Montag, 7. November 2011

Indien - Delhi und Amritsar

Am Freitag, 28.10. machten wir uns morgens mit dem Bus auf den Weg nach Delhi. 

Mittagspause in diesem einladenden Straßenlokal ;-)

Links im Bild unser Reisebus :-)
 

Delhi ist die Hauptstadt Indiens mit unsagbaren 13 Millionen Einwohnern! Delhi ist unterteilt in New Delhi und das kleinere Old Delhi und wir beschlossen, uns im alten Delhi neben der größten Moschee Indiens, der Jama Masjid, häuslich niederzulassen. Die Jama Masjid war das letzte große Bauwerk von Shah Jahan (ihr erinnert euch?? :-)). 

Blick von unserem Zimmer auf die Moschee



Es wimmelt hier von ... - ähm nun ja ... - Greifvögeln :-)




Am Hotel angekommen waren wir jedoch etwas – nun ja – überrascht oder besser gesagt schockiert, wie es rund um die Moschee aussieht. An zwei Seiten der Moschee herrscht ein geschäftiger Autoteilebazar und auf der anderen Seite ist ein großer Baumwollmarkt. Ansonsten sind überall die üblichen Essensstände und kleinen Läden, allerdings vorrangig mit Hühnern besetzt bzw zu Brathähnchen verarbeiteten Hühnern. Das eigentlich Krasse ist eigentlich, dass es überall von armen Menschen wimmelt, die scheinbar auf der Straße leben. Seitens des Autobazars wimmelt es von Männern jeglichen Alters, die tagsüber am Straßenrand stehen oder sitzen und abends ihre Matten oder Decken ausbreiten und auf dem Bürgersteig schlafen. Daneben ihre Ziegen – die hier riiiiesig groß sind – wie Shetlandponys. Auf der Seite des Baumwollmarktes leben unzählige Familien am Straßenrand, ihre halbnackten schmutzigen Kinder laufen durch die Gegend oder liegen herum. Die Stimmung rund um die Moschee ist – ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – unsympathisch und abweisend. Überall wird man sehr skeptisch beäugt, obwohl wir uns auch immer angemessen gekleidet haben. Sprich keine kurzen Hosen, kein Ausschnitt, keine freien Schultern. Abends haben wir uns dann ein lecker Tandoori-Hühnchen schmecken lassen, dazu Fleischspießchen, frisch gebackenes Brot und hinterher lecker Süßigkeiten von den unzähligen Straßenständen. Ein Tandoor ist übrigens ein großer Steinofen, für die, die das noch nicht gehört haben. 

Blick aus unserem Zimmer auf die zahllosen Männer vor dem Autoteile-Bazar


Am nächsten Tag ging es uns allerdings richtig schlecht – scheinbar war eins der Lebensmittel nicht mehr in Ordnung gewesen. Wir tippten auf das Lassi (Joghurtgetränk) von gestern abend und blieben den Samstag eben im Bett bzw in naher Reichweite der Toilette ;-) Zum Glück hatten wir zufällig ein Zimmer mit Fernseher erwischt, so dass wir uns die Zeit vertreiben konnten. 


Sonntag rappelten wir uns wieder auf und besorgten uns eine Zugfahrkarte für den Montag nach Amritsar. Dann besichtigten wir das Gandhi Smriti, den Ort, wo Mahatma Gandhi die letzten 144 Tage seines Lebens verbrachte und am 30. Januar 1948 von einem fanatischen Hindu erschossen wurde. Heute ist dort schönes kleines Gandhi-Museum eingerichtet, wo man seine letzten Habseligkeiten, sein Zimmer und etliche Fotos und Berichte aus seinem Leben besichtigen kann. Bedrückenderweise gibt es auch eine detaillierte Schilderung von Gandhis letztem Tag auf Erden, dazu etliche Augenzeugenberichte der Ermordung. Die Stelle, an der Gandhi erschossen wurde, liegt unweit des Hauses, in dem er zuletzt lebte. Mit Fußabdrücken wurde sein letzter Weg von seinem Zimmer bis in den Garten markiert. Der Garten ist mit Schildern mit bekannten Zitaten Gandhis versehen. Im oberen Stockwerk des Museums ist eine sehr moderne und künstlerische Ausstellung über Gandhi, von modernen Wandbildern bis hin zu Kaleidoskopen. Vor dem Museum befindet sich ein gigantischer Weltfriedensgong. Der Besuch im Gandhi Smriti  ist wahnsinnig beeindruckend und unbedingt empfehlenswert. Allerdings ist es auch sehr traurig zu sehen, wie das Leben dieses fantastischen großen Mannes, Mahatma Gandhi, so ein schreckliches und sinnloses Ende nahm. 



Besonders für uns Lehrer interessant, aber auch für alle :-)

Schaukasten, in dem Gandhis Verbrennung nachgestellt ist

Unterschrift des Schaukastens.
Ein wunderschöner Spruch, die letzten 4 Zeilen!!

Gandhis Besprechungszimmer

Gandhis letzte Besitztümer. Dazu kommt noch sein altes Spinnrad.

Das Haus, in dem Gandhi zuletzt lebte. Hinter den 3 großen Fenstern im
Erdgeschoss liegt sein Zimmer. Nun ist das Museum in diesem Haus.


Die Stelle, an der Gandhi erschossen wurde :-(

Welch weiser Spruch!


Nochmal die Gedenkstätte mit Gandhis letztem Weg (links im Bild zu erahnen)

Den hätte ich gern in der Schule :-)


Dieses tolle Bild ist bestimmt 3 m mal 1,5 m groß!

Kaleidoskop
Nicht zu erkennen ist leider, dass es sich bei den Bildern um von Kindern gemalte
Bilder handelt, die Szenen aus Gandhis Leben malten.




Nachmittags besuchten wir noch die Grabanlage „Humayuns Tomb“. Es ist ein Musterbeispiel früherer Mogularchitektur aus dem 16. Jahrhundert. In Auftrag gegeben wurde es von Haji Begum, der ältesten Frau des zweiten Großmoguls Humayun. Sie stammte aus Persien, daher wurde der persische  Architekturstil eingebunden. 




















Montag früh verließen wir Delhi wieder, immer noch mit einem unruhigen Magen, Richtung Amritsar im Bundesstaat Punjab.


Es stank unglaublich nach Pi.... ähm Urin am Bahnsteig - lecker!!

Unser Zug hatte 2 Stunden Verspätung.... *wart wart wart*



Die Zugfahrt zog sich unendlich lang hin und wir mussten auch noch getrennt sitzen, weil wir im Vorfeld nur einen Sitzplatz reservieren konnten und per Warteliste einen anderen zugewiesen bekamen. Die Schlafwagenkarten waren leider nicht mehr zu bekommen. So verbrachte ich knapp 8 Stunden neben netten älteren Turban tragenden Indern. Doch ein gutes Buch lässt auch die längste Zugfahrt irgendwann vorübergehen. Jan verbrachte die Stunden an seiner rechten mit einer netten Französin und auf seiner linken Seite mit ständig wechselnder indischer Besetzung. Im Sitzabteil kommen übrigens die merkwürdigsten Menschen an einem vorbei. Nicht nur unzählige Chips-, Getränke- und Gedönsverkäufer, sondern auch etliche Bettler. Einige davon sind körperlich missgebildet oder blind, andere schicken ihre Kinder zum Betteln vor. Eine Frau hatte ihre beiden Kinder (ca 5 und 3 Jahre alt) mit roten Bäckchen und schwarzen Schnurrbärten bemalt und ließ sie durch einen Ring klettern oder einen Hut mit Bändchenkordel schwingen, während sie einen Metallteller als Trommel schlug. Schrecklich… aber das gehört eben auch zu Indien.


In Amritsar am Montag abend angekommen, suchten wir uns erstmal wieder ein Hotel und ruhten uns aus. Leider ging es unseren Mägen wieder schlechter, so dass wir die Woche bis einschließlich Samstag nur zum Auskurieren brauchten. Der Besuch beim Arzt nebenan verschaffte uns die nötigen Medikamente, der Fernseher im Zimmer die nötige Ablenkung. Im Quarkladen und an den Obstständen versorgte ich uns mit Schonkost und Wasser, den Rest konnte man im Hotel bestellen.


Hier versuchten wir uns schon wieder an richtigem Essen :-)

Unser Zimmer - ein Traum in weiß-blau :-))

Unser Hauptaufenthaltsort neben dem Bett ;-)


Samstag endlich ging es uns wieder soweit besser, dass wir uns Zugtickets für Sonntag besorgen konnten und die Hauptsehenswürdigkeit Amritsars anguckten – den goldenen Tempel. Es ist der heiligste Schrein der Sikhs, der Anhänger des Sikhismus. Der Sikhismus ist die vorherrschende Religion im Bundesstaat Punjab. Der erste Guru des Sikhismus, Guru Nanak, kämpfte bereits im 15. Jahrhundert gegen das indische Kastensystem und setzte sich für Gleichstellung ein. Der goldene Tempel ist – entsprechend dem aufnehmenden Charakter des Sikhismus – für alle Besucher geöffnet. Die Tempelarchitektur ist eine Mischung aus hinduistischen und islamischen Elementen. Die goldene Kuppel soll angeblich mit 750 kg reinem Gold verkleidet sein und eine umgedrehte Lotusblume darstellen. 

Die Lotusblume symbolisiert die Verpflichtung der Sikhs, ein reines Leben zu führen. Den Tempel darf man nur ohne Schuhe und Strümpfe und mit Kopfbedeckung betreten. Vor dem Eingang  muss man durch Wasserbecken laufen, um seine Füße zu waschen. Im Tempel gibt es einen riesigen Speisesaal, den Guru-Ka-Langar, wo alle Besucher kostenlos essen dürfen. Solche Säle gibt es in allen Sikh-Tempeln. Sie symbolisieren die Einheit aller Menschen, ungeachtet ihrer Religion, ihres Bekenntnisses und ihrer Nationalität. In Anbetracht unseres geschwächten Magens haben wir jedoch auf dieses Erlebnis verzichtet. Täglich werden dort vegetarische Gerichte für 60.000 bis 80.000 Menschen zubereitet, Spenden werden erbeten. Leider war fotografieren dort nicht erlaubt. Allerdings waren Jan und ich ein beliebtes Fotomotiv, mehrfach wurden wir gebeten, uns fotografieren zu lassen. :-)



Uhrenturm

Das Wasserbecken heißt Amrit Sarovar (Nektarteich)
und die Stadt verdankt ihm seinen Namen



Sieht aus wie ein Pirat, oder? ;-)









Im Wasser schwimmen übrigens riesige Fische :-)
Irgendwelche Karpfen oder so :-)






Hier sehr ihr den Grund,
warum wir nicht in den goldenen Tempel reingegangen sind :-)


Nachmittags besuchten wir den Jallianwala Bagh, einen Park, der 1919 traurige Berühmtheit erlangte. Um dies zu erklären, müssen wir ein bisschen in die Vergangenheit schauen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts stand ein Großteil Indiens unter britischer Kontrolle. Es gab jedoch immer indische Unabhängigkeitsbewegungen. 1919 wurde ein Gesetz erlassen, das erlaubte, Inder ohne Gerichtsverfahren einzusperren, die im Verdacht standen, dieser Bewegung anzugehören. Als Protest gegen dieses Gesetz wurden Generalstreiks organisiert, die in gewalttätige Auseinandersetzungen und Plünderungen ausarteten. Nachdem die Briten indische Demonstranten getötet hatten, wurden zur Vergeltung drei britische Bankangestellte von den Indern ermordet. General Dyer bekam daraufhin den Auftrag, wieder für Ruhe in der Stadt zu sorgen.

Am 13. April 1919 demonstrierten mehr als 5000 Inder friedlich im Jallianwala Bagh, einer von hohen Mauern umgebenen freien Fläche. General Dyer rückte mit 150 Soldaten an und befahl seinen Leuten, ohne Vorwarnung das Feuer zu eröffnen. In nur sechs Minuten wurden mehr 400 ermordet, ca 1500 weitere Menschen verletzt. Nach Schätzungen starben insgesamt bei diesem Massaker mehr als 1500 Menschen, darunter viele Frauen und Kinder. Das britische Militär stand hinter dem Vorgehen des Generals, aber der indische Staatsminister Sir Edwin Montague verurteilte dieses Attentat und bezeichnete es als grausame und unangemessene Wahnsinnstat. Die indische Unabhängigkeitsbewegung erhielt durch das Massaker neuen Auftrieb und Mahatma Gandhi verfasste sein Programm des zivilen Ungehorsams. Er erklärte die Zusammenarbeit  - in welcher Form auch immer sie erfolgen möge - mit "dieser satanischen Regierung" als Sünde. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, sollte sich unbedingt den Film "Gandhi" von Sir Richard Attenborough anschauen. Wir haben den Film auch schon gesehen, Jan sogar zweimal. ;-)


Hier brennt eine ewige Flamme

Das ist ein Brunnen, in den sich etliche Menschen in ihrer Verzweiflung stürzten,
um den Schüssen zu entkommen. :-(



Hier sieht man noch etliche Einschusslöcher in der Wand


Nochmal Einschusslöcher




Eigentlich wollten wir von Amritsar nach Jaisalmer oder Jaipur fahren, aber leider waren die Züge für die nächsten Tage ausgebucht. So blieb uns nur übrig, wieder nach Delhi zurück zu fahren, um von dort weiter zu reisen. In Anbetracht der Tatsache, das wir uns in Delhi unsere Magenverstimmung eingefangen hatten, keine tolle Aussicht. Aber leider nicht zu ändern, da wir unseren ungeplant langen Aufenthalt in Amritsar nicht noch weiter ausdehnen wollten. Unser Zeitplan war nun eh schon genug über den Haufen geworfen, was uns etwas ärgert. 

Bahnhof Amritsar



Nach einer angenehmen Zugfahrt erreichten wir Delhi gegen 19 Uhr abends. Mittlerweile hatten wir den optimistischen Plan, über Ajmer nach Pushkar auf den alljährlichen Kamelmarkt zu fahren. Doch leider war mal wieder kein Zugticket nach Ajmer zu bekommen und Pushkar selbst hat keinen Bahnhof. Jan hatte jedoch die gute Idee, mit dem Bus nach Ajmer zu fahren. Busse fahren in den meisten Städten fast rund um die Uhr in alle möglichen Richtungen. Somit kauften wir noch für den selben Abend ein Ticket für den Schlafbus nach Ajmer, um nicht noch eine Nacht in Delhi bleiben zu müssen. Es stellte sich raus, dass wir sogar direkt nach Pushkar mit diesem Bus fahren können, so dass dieser anstrengende Tag doch noch ein gutes Ende nahm.



4 Kommentare:

  1. Sehr beeindruckend! Auch die Bilder vom Taj Mahal im letzten Bericht waren toll!Ich staune immer wieder, wie viele Menschen auch an den Sehenswürdigkeiten (egal zu welcher Zeit)unterwegs sind.
    Schön, daß es Euch wieder gut geht! Der "Pirat" sieht nicht schlecht aus, aber Captain Jack Sparrow isses eben nich;-)

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  2. Hallo Ines!
    Viele Menschen? Hihi, Jan achtet immer darauf, dass nur wenig Menschen von den Massen auf den Bildern landen! :-) Ooooooor, das war gemein mit dem Pirat :-) ;-)
    LG Sabrina und Jan

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  3. Das zweite Paket aus China ist heute auch angekommen, hat auf den Tag genau zwei Monate gebraucht. Jetzt müssten eure Rucksäcke aber wieder etwas leichter sein, oder? Jetzt warten wir schon gespannt auf das Paket aus Indien!
    Übrigens, den kleine Muck habe ich doch auf den Bildern gesehen, er hat lila Hosen an und die Schuhe sind zwar nur ein paar Überzieher, aber immerhin gleich zweimal vertreten, haha!!
    LG aus dem heute vernebelten Harti

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  4. Ach das wäre schön, wenn die Rucksäcke nun leichter wären. Aber irgendwie werden die Biester immer schwerer :-/ Die Postbotin wundert sich bestimmt auch, was ihr für Post bekommt, mhm?
    Jahaaa, der kleine Muck lebt! :-)
    Na hoffentlich finden die Katzen den Weg auch im Nebel wieder Heim ;-)
    LG aus Jodhpur von uns zu euch

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