Montag, 19. Dezember 2011

Kambodscha - Siam Reap


Als wir gegen 14 Uhr am Bootsanleger von Siam Reap ankamen, erwartete uns schon eine riesige Horde Tuktukfahrer, die uns alle bestürmten, mit ihnen in die Stadt zu fahren. Doch einer von ihnen stach aus der Masse heraus – er hielt ein Schild mit meinem Namen hoch. :-) Wir also ihn herausgepickt und mit ihm zu seinem Gefährt gegangen. Um uns zu vergewissern, dass die Abmachung mit dem Bootsticketverkäufer gilt, fragten wir ihn, ob er uns nun tatsächlich kostenlos in die Stadt fährt, zu einem Hotel oder einer Kneipe UNSERER Wahl. Es ist nämlich sonst gang und gäbe, dass einen die Fahrer zu einem Hotel ihrer Wahl bringen wollen, um Provision von den Hotels zu kassieren, Schleppernetz halt.  Nun ja…

Auf unsere Frage antwortete er ganz gelassen, dass er uns zu einem schönen Hotel bringen würde, er würde da eins kennen… Als wir ihm von der Verabredung mit dem Ticketverkäufer erzählten (mit dem er ja Kontakt gehabt haben musste, sonst hätte er ja nicht meinen Namen auf sein Schild schreiben können), sagte er wieder, dass er uns erst zu seinem Hotel bringen wolle und dann könne er uns gern dahin bringen, wo wir hin wollen. Wir hatten uns nämlich überlegt, uns einfach in die Gegend mit den vielen Kneipen und Guesthäusern bringen zu lassen, um uns dann zu Fuß ein Hotel zu suchen. Und übrigens könnten wir ihm dafür ruhig ein wenig Geld geben, fügte er noch hinzu. Er behauptete, nichts davon zu wissen, was wir mit dem Ticketverkäufer in Battambang abgesprochen hätten.

Dieses Gespräch ging uns zunehmend auf die Nerven und somit sagten wir ihm, dass wir dann halt einfach mit jemand anderem fahren würden. Wir drehten uns um, um eins der vielen rumstehenden Tuktuks zu buchen. Doch er folgte uns und redete ununterbrochen auf uns ein, dass wir doch mit ihm fahren sollen, er wäre nun extra hier raus gefahren, usw und so fort. Er war allerdings nicht bereit, sich an das Verabredete zu halten, so dass wir uns einen anderen Fahrer suchten. Gepäck flugs ins Tuktuk geladen und abfahrtbereit, laberte der Typ uns immer noch voll. Plötzlich wurde er so wütend und aggressiv, dass er Jans Rucksack schnappte, ihn aus dem Wagen zerrte und auf den Boden schmeißen wollte. Er schrie herum, dass er die Polizei rufen wolle, um dann zu behaupten, wir hätten das Gepäck gestohlen, da wir keinen Adressaufkleber dran hätten. Total irre der Typ! Jan sprang daraufhin raus, schubste den Typ weg und holte sein Gepäck wieder rein. Doch der Kerl zeterte immer weiter. Das ist echt ungewöhnlich, denn normalerweise gebietet die asiatische Mentalität, niemals in der Öffentlichkeit zu streiten oder laut zu werden, da man dadurch sein Gesicht verliert. Unser neuer Fahrer stand die ganze Zeit wie vom Blitz getroffen daneben. Er schien einen inneren Konflikt zu haben, ob er nun losfahren sollte, um seine Kundschaft zu bedienen oder abzuwarten, was sein Kollege noch sagen oder tun wollte. 

Nach einem lauten Wortgefecht konnten wir den Typ nur noch auslachen und sagten ihm, dass er sich lächerlich macht mit seinem Gehabe und ruhig die Polizei rufen könne, wir hatten schließlich nichts verbrochen. Er zeterte noch einige komische Sachen, wie dass wir Tiger sind, die gekommen wären, um ihn zu fressen, fasste unsere Sachen aber zum Glück nicht mehr an. Als der neue Fahrer nun endlich losfuhr, wünschte uns der Typ noch, dass wir unterwegs sterben. Na danke schön. Leute gibt’s, die gibt’s gar nicht! :-/ Aber um ehrlich zu sein war es ja sowieso klar das es mit der kostenlosen Fahrt in die Stadt irgendetwas auf sich hat, dafür hat man schon zu viel erlebt. :-)

Nun wurden wir allerdings endlich in die Stadt gefahren und der Fahrer brachte uns dorthin, wo wir hinwollten. Er fragte uns dann aber noch, was denn los gewesen wäre, woraufhin wir ihm dann unsere Seite der Geschichte erzählten. Der Fahrpreis sollte 4 $ sein, ich hatte aber dummerweise nur einen 5$-Schein und der Fahrer NATÜRLICH kein Wechselgeld. ;-) Er diskutierte dann auch noch ein bisschen, warum wir ihm nicht einfach die 5 geben, ich huschte aber fix zum Wechseln in einen Laden. Tuktukfahrer sind wirklich eine Spezies für sich….

Wir setzten uns auf den Schreck nun erstmal in ein Lokal und bestellten uns was zu essen, bevor wir uns auf die Suche nach einem Guesthouse machten. Es wimmelt nur so vor Touristen in Siam Reap und daher gibt es etliche Restaurants, Hotels und Massagebuden an jeder Ecke. Kurioserweise stehen auch überall Schilder „Dr. Fish Massage“ und in riesigen Wasserbecken am Straßenrand kann man sich von kleinen Fischen seine abgestorbenen Hautzellen abnagen lassen. Orrrr ekelhaft….

Nun ja. Glücklicherweise fand Jan noch ein Guesthouse, das uns für günstige 6 $ ein schönes Zimmer vermietete. Der Wasserhahn im Bad ließ sich zwar nicht richtig schließen und der Vorgarten und die Empfangshalle des Hauses sahen aus, als wäre dort eine Bombe explodiert, aber man kann nicht alles haben. Die Leute waren nett, das Zimmer schön und der Preis günstig. Was will man mehr. :-)

Der Grund, warum es in Siam Reap vor Touristen nur so wimmelt, ist die großartige Tempelanlage Angkor, bestehend aus dem Herzstück Angkor Wat, der ehemaligen Stadt Angkor Thom und noch etlichen anderen Gebäuden mehr. Angkor ist der Stolz und das Wahrzeichen Kambodschas.


Ein Tag ist nicht genug, um seine Ausmaße zu erfassen, daher besorgten wir uns am darauffolgenden Tag ein Drei-Tages-Ticket für stolze 40 $ pro Person! Beim Radverleih um die Ecke mieteten wir uns für 2 Tage lang Fahrräder und los gings. Die Straße war zum Glück gut und es gab sogar viele Bäume am Wegesrand, die uns Schatten spendeten, so dass wir nach 30 Minuten gemütlicher Fahrt die 6 km bis Angkor Wat geschafft hatten.

Am ersten Tag haben wir Angkor Wat, Angkor Thom, Bayon und Baphuon besichtigt.




Eingang zum Angkor Wat















Tor zur alten Stadt Angkor Thom



Bayon - Tempel

54 dieser riesigen Gesichter zieren den Bayon-Tempel - einfach wunderschön! :-)








Mittagspause :-)

*schwitz*


Er war auch mit :-)


Baphuon-Tempel




Am zweiten Tag haben wir Phnom Bakheng und Ta Prohm ( den Lara-Croft-Tempel, denn der Film Tombraider wurde hier gedreht) besichtigt und sind anschließend noch die große 30 Km-Runde um das Tempelgelände geradelt. Zum Glück war alles ganz flach :-)



Blick auf Angkor Wat von Phnom Bakheng aus
Das Ding stand mitten im Wald

Auch ein schöner Rücken kann entzücken :-)











Voll steil hier :-)
Ta Prohm - auf den Spuren Lara Crofts ;-)



Wahnsinn, was für eine Kraft die Wurzeln haben!




























Zur Belohnung gabs dann lecker EIS :-)


Am nächsten Tag (Montag, 19.12.) sind wir dann mit dem Bus nach Kratie gefahren, eine kleine Stadt ein ganzes Stück östlich von Siam Reap. Dort soll es im Mekong noch die seltenen Irrawaddy-Delfine (auch Mekong-Flussdelfin genannt) geben, die wollten wir uns gern anschauen.


4 Kommentare:

  1. Ein fröhliches Neues 2012 wünsche ich Euch aus dem kalten Deutschland! Dieser Bericht und vor allem die Bilder sind total beeindruckend und schön. Die Wurzeln der Bäume sind ja der Hit. Frag mich ob die immer so weiter "wurzeln" und am Boden entlang wandern.. und das Schmetterlingsbild ist auch so schön und die Radfahr-Bilder..toll und diese alten Mauern und Gesichter..herrlich interessant und ein wenig mystisch, findst nit auch?
    Kurzum.. BIN BEGEISTERT! :-)
    Macht weiter so auf Eurer Erkundungstour und liebe Bine..ich umarm Dich..ganz lieb und herzlich..drück drück drück quetsch knetsch..nu is aber gut hier.. ;-)
    Auf bald Ihr Lieben
    Eure Gabriele :-)

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  2. Beinhart! Ich staune immer wieder, wie Ihr Euch so durchsetzen könnt und Euch nicht die Butter vom Brot nehmen laßt. Selbst wenn es "nur" um einen Dollar Wechselgeld geht. Ich glaube, da wäre ich zu weich. Aber deshalb macht ja auch IHR die Weltreise und nicht ICH. Immer schön die Reisekasse im Blick. Das ist richtig. Der Bericht und die Bilder waren wieder toll!Paßt weiterhin schön auf Euch auf! Viele Grüße Ines

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  3. Hallo liebe Gabi!

    Schön, mal wieder von dir zu lesen! :-) Die Tempelanlagen waren wirklich klasse! Uns haben die Wurzeln und die Gesichter auch am Besten gefallen :-) Und der Schmetterling war witzig, total zutraulich. Mit dem Fahrrad rumzufahren war auch klasse, billig und bequem. Und auch gut für unsere Umweltbilanz ;-)Die liebe Umarmung erwiedere ich mal ganz fest und drüüüüück dich zurück!! :-)
    Deine Sabrina



    Huhu Ines!
    Ach naja, das Durchsetzen lernt man notgedrungen auf so einer Reise, sonst wird man nämlich viiiiiel Geld los, also noch mehr als man es eh schon tut. Hier mal ein Dollar, dort mal ein Dollar - das summiert sich eben ganz schön übers Jahr. Ja, wir passen immer gut auf uns auf! :-) Grüß Henry und Anton lieb!
    Liebe Grüße
    Jan und Sabrina

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  4. Geile Bilder!
    Die Wurzeln der Bäume sehen aus wie die Gliedmaßen eines Wesens aus einem Fantasyfilm.

    Alles Gute noch!

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