Donnerstag, 15. Dezember 2011

Kambodscha - Pursat

Am Dienstag, den 13.12., sind wir mit dem Bus in die kleine Stadt Pursat gefahren. Sie hat knapp 58.000 Einwohner und ist ein idealer Startpunkt für einen Ausflug in das schwimmende Dorf Kompong Luong. Ebenfalls kann man von hier aus eine Fahrt mit einem Bambuszug unternehmen, was wir unbedingt mal machen wollen. Doch eins nach dem anderen. :-)


An der Hauptstraße des Städtchens wurden wir aus dem Bus gekippt und machten uns erstmal auf die übliche Suche nach einem Guesthouse. In der Nähe fanden wir dann ein schickes Haus, wo auch ein tolles Zimmer für nur 6 $ frei war. Prima! :-) Die Verwalter bzw Besitzer des Hauses sprachen zwar kaum englisch, aber mit Händen und Füßen gehts schon irgendwie. :-)


Hauptstraße Pursat



Unser Guesthouse

Das tolle günstige Zimmer :-)

Da wo Jan grad rauskommt ist das Bad :-)
Das hier entpuppte sich als unsere Lieblings-Essensbude :-)


In unserem Reiseführer wird Pursat nur sehr kurz beschrieben und es ist auch keine Karte vorhanden, so dass wir etwas orientierungslos versuchten, den Ort zu erkunden. Die Beschreibungen des Reiseführers verwirrten uns dabei mehr, als das sie uns nützen und wir suchten uns letztlich einfach einen Tuktukfahrer, der uns zu einem Restaurant bringen sollte, das uns empfohlen wurde. Dieser Tuktukfahrer sprach ganz gut englisch, so dass wir ihn erstmal zum Bambuszug und dem Weg ins schwimmende Dorf befragten. Er bot uns natürlich auch gleich an, diese Tour für 20 $ mit uns am nächsten Tag zu fahren (welch Überraschung :-)). Da er uns nett erschien, willigten wir ein und verabredeten uns für 8 Uhr am nächsten Morgen mit ihm.

Pünktlich um 8 starteten wir unsere Tuktuk-Fernfahrt Richtung schwimmendes Dorf Kompong Luong in 40 km Entfernung, wo 10.000 Menschen in schwimmenden Häusern auf dem Wasser des Tonlé Sap-Sees leben. Dort angekommen, mussten wir ein kleines Boot bezahlen, mit dem uns ein Fahrer für eine Stunde über den See schippern sollte. Rund um den See leben die Menschen in den allereinfachsten Verhältnissen in klapprigen kleinen Hütten am Straßenrand. Wir wurden dort sehr neugierig beäugt, schienbar kommen nicht allzu viele Touristen dorthin. Das Gefühl, dort mit einem Tuktuk vorzufahren ist allerdings ein sehr komisches, mitunter unangenehmes. Man fühlt sich so überheblich und deplaziert, wie ein Großgrundbesitzer, der seine Ländereien inspiziert. Irgendwie sehr schräg... Peinlicherweise mussten wir uns auch noch grellorange leuchtende dicke Schwimmwesten anziehen, die einem gewissermaßen den "Idiotenstempel" aufdrücken. Selbst die kleinsten Kambodschaner sind in der Lage, frei stehend ein Boot sicher übers Wasser zu manövrieren, aber wir sollten diese Westen nunmal sicherheitshalber anlegen. Nun gut... :-)

Die Fahrt übers Wasser war klasse und wir waren beeindruckt, wie viele Häuser und Shops es auf dem See gibt. Leider fehlte aber etwas die Sonne, um schöne Fotos zu machen. Es gibt dort wirklich alles auf dem Wasser - dutzende Handyshops, Schule, Frisör, Krankenhaus, Schweineställe, eine Kirche - verrückt! :-) Zwischen den einzelnen schwimmenden Gebilden bewegen sich die Menschen mit kleinen Booten, entweder per Ruder oder kleinem Motor gesteuert. Kurioserweise leben auf fast jedem "Hausfloß" dort auch Hunde und Katzen. Freut uns als Tierfreunde natürlich, aber andererseits fehlt denen natürlich auch etwas der Auslauf. Und darüber, wo die Tiere immer so ihr Geschäftchen erledigen, möchte man ja erst recht nicht nachdenken... ;-)


Blick aus dem Tuktuk :-)

Jan ist nie nur Bei- oder Mitfahrer - der konzentrierte Blick verrät ihn ;-)

Reisernte bzw Reistrocknung am Wegesrand

Leider war das Wetter nicht so toll - kühl und windig, dazu keine Sonne



Häuser am Rand des Sees

Und hier stiegen wir dann um in ein Boot wie dieses

Keine Ahnung warum ich da so gucke :-)

Guckt mal das dicke Schwein :-)

Erst ging es einen kleinen Wasserweg entlang zum See




Frische Lieferung :-)


Schwimmende Kirche

Schwimmender Hund :-)

So ein schöner Schnappschuss! :-)


Fischerin

Krankenhaus

Der Sohnemann lümmelt in der Hängematte :-)

Kambodschaner sind ein wenig kürzer als Europäer :-)



Nach unserem Bootsausflug waren wir hungrig und gingen mit unserem Tuktukfahrer erstmal in einem kleinen Straßenladen was essen. Wir unterhielten uns dabei gemütlich und das Essen war auch echt lecker. Am Ende fragte uns unser Fahrer plötzlich, ob wir ihm nicht das Geld für sein Essen leihen können, weil er gar keins dabei hätte. Hä? Wie jetzt? Er bestellt sich Essen und hat gar kein Geld dabei? Vielleicht spekulierte er auch nur darauf, dass wir ihn einladen würden, aber die Art und Weise fanden wir nun nicht ok. Hätte er am Anfang gesagt, dass er kein Geld dabei hat, hätten wir ihn bestimmt eingeladen, aber so hinterher fragen ob wir ihm was leihen können ist schon dreist. Als wir bezahlen wollten wurde es noch amüsanter. Die Frau von dem Laden nannte uns die Preise (die lächerlich gering waren, verglichen mit deutschen Preisen), aber der Fahrer sollte nur knapp die Hälfte dessen zahlen, obwohl er exakt das selbe Essen hatte wie ich. Der einzige Unterschied bestand darin, dass er Reis und Gemüse auf einem Teller hatte, mir reichte sie es getrennt auf zwei Tellern. Da wir grad eh schon genervt von unserem Fahrer waren, weigerten wir uns, einen höheren Preis für die selbe Sache zu bezahlen und gaben ihr nur das Geld für mein Essen, was er auch bezahlen sollte. Sie war zwar nicht einverstanden, aber nahm es letztendlich hin. In den Augen der Kambodschaner sind wir Europäer sehr reich und somit meinen sie manchmal, dass wir auch mehr zahlen müssen. Dass unser Geld aber auch nicht einfach vom Himmel fällt und wir die Kohle zusammen halten müssen, wissen sie scheinbar nicht. Klar haben wir mehr Geld als jemand, der in Kambodscha in einer Bretterbude am Straßenrand lebt, aber deswegen müssen wir trotzdem auch sparsam mit unserem Geld umgehen. Natürlich tun uns die Leute auch leid und würden wir gern jedem, den wir sehen, etwas spenden oder mehr zahlen, aber dann ist unsere Reisekasse leider auch sehr schnell leer. Schwieriges Thema...

Nach der Stärkung fuhren wir über huckelige Pisten zu einem ehemaligen kleinen Bahnhof, an dem eine Spur Schienen vorbeiläuft. Soviel wir wissen, stammen die Schienen aus der Zeit der französischen Kolonie, Züge fahren dort heute aber nicht mehr. Stattdessen brausen die Kambodschaner mit kleinen selbstgebauten Flitzern über die Schienen, den Bambuszügen oder "nori" genannt. Dabei handelt es sich um eine selbstgezimmerte Plattform aus Bambusholz, ca 3 x 4 m groß. Diese wird auf 2 Achsen mit Rädern gelegt (sie stammen bestimmt von alten Waggons oder so) und das ganze Ding wird mit einem rasenmäherähnlichen kleinen Motor angetrieben. Absolut verschärft! :-) Treffen sich 2 dieser Gefährte unterwegs, so muss der weniger beladene Wagen schnell auseinander gebaut und von den Schienen genommen werden, damit der andere vorbeifahren kann :-) Mit diesem Gefährt brausten wir eine gute Stunde durch die Gegend, nachdem unser Tuktukfahrer per Handy einen "Zugfahrer" bestellt hatte. Die Fahrt war zwar nicht sonderlich bequem, aber eine echt coole Erfahrung. :-) Am Ende wunderten wir uns, dass der "Zugfahrer" so schnell wegfuhr, denn wir hatten ihm noch gar kein Geld gegeben. Das machte uns schon ein bisschen schlechtes Gewissen, zumal die Fahrt 10 $ kosten sollte, aber er war so schnell weg, dass wir gar nicht reagieren konnten. Nun gut.

Alle müssen mit :-)


Auch das gibts hier noch oft zu sehen :-)

Wie die Autos hier beladen werden ist mehr als abenteuerlich! :-)

Kleine Maus unterwegs um sich Süßkram zu kaufen :-)

Ehemaliger Bahnhof
An der Seitenwand sind noch Einschusslöcher aus der Zeit der Roten Khmer zu sehen.



Ui, da kommt der erste Bambuszug angerauscht! :-)

Und das war unser Zug :-) Allerdings nur die vordere Plattform.

Zum Glück lag noch eine Bambusmatte unter uns, sonst hätte es Splitter im Po gegeben ;-)

Augen zu und durch :-)

Der Antrieb des Ganzen :-)

Ach du Schreck - Gegenverkehr! :-)

Doch es half nix - wir waren eindeutig weniger beladen und mussten daher den Weg frei machen.
Also fix die Plattform abbauen - Jan musste natürlich mit anpacken :-)

Und nun wieder alles rauf auf die Schiene, nachdem der andere Zug vorbei war :-)
Geniales System :-)

Und tschüssi :-)

Wenn sich 2 solche Wagen begegnen - herzlichen Glückwunsch! :-)

Fertig zur Abfahrt, alles muss mit :-)

Kleine Läden mit frischem Baguette am Straßenrand


Wieder in Pursat angekommen, lieh sich unser Tuktukfahrer übrigens von unserem Guesthouse das Geld für sein Mittagessen, um es uns wieder zu geben. :-) Verrückt!

Anschließend organisierten wir uns noch eine Busfahrkarte für den kommenden Morgen nach Battambang, eine Stadt ca 3 Stunden nordwestlich von Pursat. Am nächsten Morgen saßen wir gerade vor dem Reisebüro und warteten auf den Bus (morgens um 7), als plötzlich der Tuktukfahrer von gestern vor uns hielt. Wir waren etwas verwirrt, aber nach 2 Sekunden dämmerte uns, dass er wegen des Geldes für den Bambuszug gekommen war. Er sagte, er habe die ganze Nacht nicht schlafen können, weil ihn gestern abend noch der "Zugfahrer" angerufen hatte und sagte, wir hätten nicht bezahlt. Der dachte nämlich, dass wir beim Tuktukfahrer das Geld für den Zug bezahlt hätten und somit hatte er uns nichts abkassiert. Der Tuktukfahrer hatte uns jedoch vor der Zugfahrt gesagt, dass wir bei dem "Zugführer" bezahlen sollen. Was ein Chaos - und wir mittendrin :-) Somit zahlten wir unsere Zugfahrt nun beim Tuktukfahrer und der sollte dem "Zugführer" das Geld bringen. Herrje :-)

Wir konnten aber Pursat reinen Gewissens verlassen :-)


Abreisefertig :-)


Fit wie ein Turnschuh schon am frühen Morgen :-)






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