Auf dieser Seite möchten wir unsere Familie und Freunde auf dem Laufenden halten, wie weit unsere Reisevorbereitungen sind und - wenn wir unterwegs sind - wo wir uns gerade befinden :-)
Wer uns nicht auf die Seite schreiben, sondern lieber per email Kontakt aufnehmen möchte, kann dies unter jasa@will-hier-weg.de gern tun :-)
Beijing – früher mal Peking genannt – hat uns wirklich positiv überrascht. Es mag daran liegen, dass hier vor 3 Jahren die Olympiade stattgefunden hat und viel saniert wurde, aber Beijing ist erstaunlich sauber und besitzt sehr viel Grün, überall wachsen Bäume und man pflegt die Parks sehr gut. Die Stadt ist sehr vielseitig, neben den neumodischsten Gebäuden und Einkaufsstraßen gibt es auch noch wunderschöne enge Gassen mit niedrigen kleinen Häuschen. Diese alten Viertel werden Hutongs genannt und fallen leider regelmäßig dem Bau von Wolkenkratzern zum Opfer.
Zum Glück hatten wir für die ersten drei Nächte ein Hostel gewählt, das in einem schönen alten Hutong steht, das Red Lantern Hostel. Dort haben wir wieder in einem Raum mit 8 Betten geschlafen, um den Geldbeutel zu schonen. Nach einer Weile gewöhnt man sich aber gut an dieses „Jugendherbergsschlafen“, Privatsphäre wird sowieso völlig überbewertet…:-) Die Duschen in den gemeinschaftlichen Waschräumen waren klasse, modern gefliest und mit einem riesigen Duschkopf. Es gab auch ein kleines Lokal in dem Hostel, wo es leckeren Porridge mit Datteln und Rosinen zum Frühstück gab. Wahlweise auch französisches Frühstück mit in Ei gebackenem Toast mit Erdbeermarmelade und frischer Melone – lecker! :-)
Menschengewusel in den alten Hutongs
Frischer Ingwer gefällig? :-)
Oder Chili? :-)
Innenhof des Red Lantern Hostels
Eingang Hostel
Schöne Teetassen zum Verkauf :-)
Die vierte Nacht mussten wir leider das Hostel wechseln, weil kein Zimmer mehr frei war. Aber das „Sleepy Inn“ lag auch schön an einem See und wir bekamen ein kostenloses Upgrade von einem Sechsbettzimmer mit Gemeinschaftsbad auf ein Vierbettzimmer mit eigenem Bad. Das wussten wir besonders dann zu schätzen, als wir gesehen haben, dass das Bad aus einer „Bodenloch-Toilette“ kombiniert mit einer Dusche bestand. Nicht besonders lecker…
Viel Platz gab's nicht :-)
Platzangst sollte man nicht haben ;-)
Die Dachterrasse :-)
Die Angler waren auch noch nachts aktiv, dann mit blauem Taschenlampenschein
Apropos nicht besonders lecker :-) Sehr gewöhnungsbedürftig ist hier, dass die Chinesen ständig und überall geräuschvoll hinspucken. Man hat das Gefühl, sämtliche chinesische Lungen seien völlig verschleimt. Selbst zierlichste kleine Chinesinnen scheuen sich nicht, überall hin zu rotzen. Echt gruselig und ekelhaft! Eine andere Kuriosität ist die Babykleidung. Die meisten Babys hier tragen keine Windeln, sondern Hosen, die zwischen den Beinen offen sind. Und wenn sie pullern müssen, dann wird eben laufen gelassen, egal wo man ist. Es ist also sehr ratsam, in öffentlichen Verkehrsmitteln geschlossene Schuhe zu tragen, damit einem nix über die Füße läuft :-) Zum Glück blieb uns der Anblick erspart, wenn so ein Kind mal ein größeres Geschäft erledigen muss... Die Tischsitten sind hier auch etwas anders als bei uns, ein lautes Schmatzen beim Essen gehört hier scheinbar zum guten Ton. Nicht besonders schön…
In Beijing könnte man sich locker mehrere Wochen die Zeit vertreiben, aber wir wollten nur 4 Tage bleiben, da noch viele andere schöne Orte auf uns warten. Somit mussten wir uns ganz schön sputen, einige der Sehenswürdigkeiten unter einen Hut zu bekommen. Wir haben den Tiananmen-Platz (Platz des himmlischen Friedens) besichtigt, auf dem das Mao Zedong-Mausoleum und eine riesige Gedenkstele der Volkshelden (eine Säule) stehen. Er soll einer der größten öffentlichen Plätze der Welt sein, aber wir waren eher etwas enttäuscht von diesem tristen Platz.
Mao-Mausoleum
Gedenkstele der Volkshelden
Westlich vom Platz liegt die große Volkskongresshalle, wo wichtige Entscheidungen Chinas getroffen bzw verkündet werden, wenn der Volkskongress tagt. Ein beeindruckendes Gebäude mit imposanten Tagungsräumen, roten Teppichen und Kronleuchtern. Doch selbst dort haben wir ein kleines Mädchen gesehen, die plötzlich ihre Hose runter zog und neben so einen roten Teppich auf die Fliesen pullerte :-) Doch die Mutti wischte es schnell auf.
Nördlich des Tiananmen-Platzes liegt der Kulturpalast der Werktätigen und die Verbotene Stadt, umgeben von einem Wassergraben und einer großen Mauer. Dort lebten früher der Kaiser, die Kaiserin, die Konkubinen und zig Angestellten. Heute kann man das riesige Gelände mit den vielen Toren, Hallen und Palästen besichtigen. Die Gebäude dort haben wunderschöne Namen wie „Palast der Herzensbildung“, „Halle der höchsten Harmonie“, „Tor des Himmelsfriedens“ und „Palast des ewigen Frühlings“, daneben noch viele mehr.
Auch chinesische Soldaten brauchen Sport :-)
Nicht zu fassen, was die einem hier alles verkaufen wollen, sogar dieses "Mini-Aquarium" mit echten Tieren drin
Eingang zur Verbotenen Stadt
Miezekatze :-)
Eine der unzähligen Hallen
Chinesen lieben albernen Kopfschmuck ;-)
Pädagogisch wertvolles Spielzeug... Er robbt voran und macht Schießgeräusche...
Das Highlight unserer Ausflüge war jedoch die große Mauer, der Anblick und das Gefühl, darauf entlang zu laufen ist wirklich fantastisch! Der Weg dorthin gehört jedoch in die Rubrik „Nepper, Schlepper, Bauernfänger“ :-). Wir wollten den Ausflug auf eigene Faust organisieren und nicht bei einem Hostel einen Touristenausflug buchen. Erstens erschien uns das billiger und zweitens ist unser Bedarf an Gruppenreisen erstmal gedeckt. Somit haben wir unserem Reiseführer entnommen, dass es außerhalb Beijings verschiedene Abschnitte der großen Mauer zu besichtigen gibt, alle mindestens 50 km entfernt und mit diversen öffentlichen Bussen erreichbar. Wir also morgens ab in die U-Bahn, um zum Fernbusbahnhof zu gelangen. Kaum an der Haltestelle dort ausgestiegen, sprach uns ein chinesisches Mütterchen auf Englisch an und fragte wohin wir wollen. Wir waren dankbar über ihre Hilfe, denn sie lotste uns direkt zum richtigen Bus. Prima! :-) Soviel Gastfreundschaft hatten wir gar nicht erwartet.
Sie stieg sogar in den selben Bus ein wie wir und stieg auch in dem Ort Miyun aus, wo wir in einen Minibus bis zum Ziel umsteigen sollten. Das kam uns dann doch etwas komisch vor und plötzlich zückte die Omi doch tatsächlich ihren Autoschlüssel und wollte, dass wir bei ihr einsteigen, damit sie uns zum Ziel fahren könne. Sie hatte ihr Auto dort geparkt und war allen Ernstes extra nach Beijing gefahren, um so Touri-Deppen wie uns zu finden. Den Preis dafür wollte sie mit uns aushandeln, sie verlangte umgerechnet 40 €. Wir lehnten dankend ab und versuchten ihr zu erklären, dass wir den Minibus nach „Simatai“ nehmen wollen. Sie behauptete daraufhin, dass der Ort Simatai gesperrt sei und sie uns stattdessen nach Jinshanling fahren kann. Dort wollten wir ursprünglich hin, aber die Anfahrt per Bus war so kompliziert beschrieben, dass wir nach Simatai wollten.
Ja, was nun tun? Da stehste in irgend so nem verlassenen chinesischen Kaff an der Bushalte und die Frau erzählt dir in gebrochenem Englisch, dass es den Bus auf den du wartest nicht gibt. Gott sei Dank kamen dann noch 2 italienische Touris, sie hatten das selbe Problem :-) Sie entschieden sich dann, in die Innenstadt von Miyun zu fahren, um sich dort durch zu schlagen. Kurz darauf kam ein englisches Pärchen aus einem Bus, das sehr gut chinesisch sprach und für uns dolmetschte. Simatai sei tatsächlich seit einem Jahr gesperrt und ein Preis von um die 30 € sei ok, damit sie uns nach Jinshanling (knapp 80 km entfernt) fährt, 3- 4 Stunden auf uns wartet und uns dann wieder nach Miyun bringt, wo wir wieder den Bus nach Beijing nehmen können. Nach fast einer Stunde Rumstehen und Verhandeln beschlossen wir also, uns von der Schlepper-Omi zur Mauer fahren zu lassen. Jan hatte einen Preis von 32 € aushandeln können. :-)
Der Aufstieg zur Mauer war extremst schweißtreibend, denn die Mauer liegt hoch auf den Bergen und man muss gefühlte 10000 Stufen hochsteigen, um dort hin zu gelangen. Der Weg auf der Mauer ist teilweise in sehr schlechtem Zustand, es geht immer bergauf und bergab über holprige Wege und steile Treppenstufen von Wachturm zu Wachturm. Im Schlepptau hat man auch ständig irgendwelche Souvenirhändlerinnen, die einen auf Schritt und Tritt verfolgen, um einem Getränke, Fächer oder T-Shirts mit der Aufschrift „Ich war auf der großen Mauer“ zu verkaufen. O-ber-nervig! Mit zunehmender Höhe tat uns die Omi, die uns vom Eingang an verfolgte, dann aber doch leid, die uns mit ihrem Gepäck bestimmt schon über eine Stunde über die unwegsamsten Wege begleitete. Sie erzählte uns dann auch noch, dass sie schon 57 Jahre alt ist und sie auf der Farm nicht genug Geld verdient. Kannste glauben, kannste lassen... Aber sie hat doch unser Herz erweicht, so dass wir ihr für ca 3 € einen Fächer aus Holz abgekauft haben. (Dass wir das Ding dann später in einem Laden für 1 € gesehen haben, lassen wir mal unter den Tisch fallen :-)) Dann zog sie zum Glück auch endlich ab.
Das Gefühl auf der Mauer zu stehen ist wirklich unbeschreiblich schön und zum Glück war es recht klar, so dass wir die Aussicht genießen konnten. Unglaublich, dass die Mauer etliche Kilometer lang ist und kein Ende zu erkennen ist. Der Bau begann schon vor über 2000 Jahren, aber mittlerweile wurden schon etliche Stellen restauriert. Rückwegs haben wir uns dann die Fahrt mit einer Seilbahn gegönnt, um wieder zum verabredeten Treffpunkt zu gelangen. Dort wartete tatsächlich das Mütterchen auf uns und schipperte uns dann wieder zur Bushaltestelle nach Miyun. Von dort sind wir dann auch wieder unversehrt nach Beijing gelangt. Was ein aufregender, lehrreicher und schöner Tag!! :-)
„Wer nicht auf die große Mauer gestiegen ist, ist kein wahrer Mann.“ Mao Zedong
Anstrengend war's - aber schöööön :-)
Kulinarisch gesehen hat Beijing einiges zu bieten, überall gibt es Lokale und Essensstände in allen Preisklassen. Wir haben ein Hotpot-Lokal ausprobiert, dazu gibt es mal wieder ein Erklär-Bär-Video :-)
Lecker war es auch in einem einheimischen Lokal, wo man zwar kein englisch sprach, aber es Bildchen auf der Karte gab zum Draufzeigen. :-) Ein Muss war die Peking-Ente! Sie wird hier mit kleinen hauchdünnen Pfannkuchen serviert, auf die man eine Pflaumensoße streicht, Frühlingszwiebeln und Entenstücke legt und den Pfannkuchen einrollt und abbeißt. So lecker!! :-)
Essensstand in den Hutongs (wir haben aber nicht gekostet)
Diese grünen Eier sieht man hier ganz oft
Hot Pot :-)
Auch noch Hot Pot
Essen in einem kleinen einheimischen Lokal - lecker :-)
Überrascht hat uns, dass etliche Chinesen hier einen Hund als Haustier haben. Hunde zu essen, ist wohl nicht mehr üblich in Beijing. Besonders beliebt sind extrem hässliche verfettete Pekinesen oder so Mischungen daraus. Es gab aber auch ein süßes Ding zu entdecken :-)
Es nagt an dem Metallgriff ;-)
Hier noch etwas total Witziges, was wir in den Straßen entdeckt haben :-)
Viele Chinesen zischen übrigens mit lautlosen Rollern und Mopeds durch die Gegend, da muss man Acht geben, nicht umgemäht zu werden. :-)
Nun, am Dienstag, den 23.08., sitzen wir grad im Zug Richtung Süden, nach Yichang in der Provinz Hubei. Unsere Zugfahrt wird 22 Stunden dauern und wir haben ein Vierbett-Abteil mit weichem Bett.
Westbahnhof in Beijing
Er war natürlich auch mit :-)
Dinner im Gang :-)
Schlafkoje
Diese herrlichen Becher bekommt man, wenn man ein Bier im Zug kauft :-)
Dort in Yichang wollen wir den Jangtse-Staudamm und evtl die 3 Schluchten anschauen. Komischerweise scheinen wir die einzigen Weißen hier im Zug zu sein. Hoffentlich klappt es weiter im Süden auch noch mit der Verständigung auf englisch, ansonsten kann uns eventuell unser Bildwörterbuch helfen. Die chinesische Sprache ist uns leider völlig fremd, außer Nihao (=Hallo) und Xiexie (=Danke) kriegen wir nix auf die Reihe. Es wäre prima, chinesisch zu können, eine Unterhaltung mit den Einheimischen wäre bestimmt interessant. Die Grammatik des Chinesischen soll nicht so schwierig sein, aber die Aussprache und die Schrift. Es gibt weit über 2000 Schriftzeichen und durch veränderte Betonung bekommen Wörter neue Bedeutungen.
Übrigens ist in China die Ein-Kind-Regelung aktiv. Jede Familie darf nur ein Kind haben, was zu ziemlich verwöhnten Einzelkindern führt. Viele Kinder hier sind anstrengend und laut, kaum jemand zeigt ihnen ihre Grenzen. „Kleine Kaiser“ eben. Eine wahre Freude für einen Lehrer im Urlaub….. ;-) Zum Glück treffen wir auch ein paar wohlerzogene :-)
Auf dem Land dürfen Familien wohl 2 Kinder haben, wenn das erste Kind ein Mädchen ist. Laut unserem Reiseführer werden irgendwann etliche chinesische Männer keine Frau finden, da es auf 120 Jungen nur 100 Mädchen gibt.
So, der nächste Bericht kommt dann aus der Provinz Hubei, aus Yichang am Jangtse.
das war ein schöner Bericht! Ich habe gleich an meine eigene Peking-Reise im Jahr vor Olympia denken müssen. Um die leckere Pekingente habe ich Euch beneidet. Durch die Hutongs und an diesem See bin ich damals geradelt. War auch eine tolle Erfahrung.Eigentlich wurde uns damals erzählt, daß die Einwohner Pekings mit Fernsehspots und anderen Medien dazu erzogen werden sollen, nicht mehr öffentlich zu spucken, da das bei der Olympiade nicht so gut kommt. Aber wie es scheint, haben sie wieder alles vergessen. Nichts desto trotz ist Peking und die Große Mauer absolut beeindruckend und sehenswert! Viele Grüße Ines
Hallo Ihr beiden,
AntwortenLöschendas war ein schöner Bericht! Ich habe gleich an meine eigene Peking-Reise im Jahr vor Olympia denken müssen. Um die leckere Pekingente habe ich Euch beneidet. Durch die Hutongs und an diesem See bin ich damals geradelt. War auch eine tolle Erfahrung.Eigentlich wurde uns damals erzählt, daß die Einwohner Pekings mit Fernsehspots und anderen Medien dazu erzogen werden sollen, nicht mehr öffentlich zu spucken, da das bei der Olympiade nicht so gut kommt. Aber wie es scheint, haben sie wieder alles vergessen. Nichts desto trotz ist Peking und die Große Mauer absolut beeindruckend und sehenswert! Viele Grüße Ines