Freitag, 26. August 2011

China - Yichang und Jangtse-Fahrt

Am Mittwoch, 24.08. kamen wir mittags in Yichang an und mussten uns erstmal einen Schlafplatz suchen. Kurz nachdem wir ein Hotel gefunden hatten, stellten wir fest, dass dort niemand englisch sprach. Aber die Hausherrin rief ihre Tochter auf dem Handy an und sie konnte mit uns auf englisch reden. Später kam noch die Cousine dazu, die wirklich gut englisch sprach. Leider stellte sich heraus, dass wir nicht im Zentrum Yichangs gelandet waren, sondern weit ab vom Schuss im Osten, von wo es ein ganzes Stück ins Zentrum dieser 4 Millionen-Stadt war. Aber mit dem Bus für umgerechnet 10 Cent ließ sich die Strecke gut überwinden. Zum ersten Mal seit Wochen hatten wir endlich mal wieder ein Zimmer und ein Bad ganz für uns allein – eine Wohltat!! :-)
Abend-Spaziergang am Jangtse




Yichang am Abend

Das ist mal ne Auswahl an Fertigsuppen, oder? :-)


Im Nachhinein hätten wir die süßen Chips doch gern mal probiert :-)



Laut Reiseführer gibt es ein Touristenreisebüro in der Stadt, wo wir einen Ausflug auf dem Jangtse buchen wollten und unsere Weiterreise. Die Tochter des Hotels war sogar so lieb, uns dorthin zu bringen. Und ihr ahnt es nicht – in diesem Büro arbeitete ein Mann, der einige Jahre in Leipzig gelebt hatte und sehr gut deutsch sprach!! Was ein Glück! :-) Somit buchten wir bei ihm eine Mini-Kreuzfahrt für den kommenden Tag. Besichtigung des Drei-Schluchten-Staudammes, Durchfahrt der Xiling-Schlucht (eine der drei großen Schluchten), Durchfahrt einer Schleuse beim Gezhou-Damm und ein Mittagessen in einem 4 Sterne Hotel beim großen Staudamm seien mit inklusive.

Am nächsten Morgen ging es dann mit einem Taxi ab zum Fährhafen, wo wir unser Schiff bestiegen. Nicht nur, dass wir auf diesem Schiff die einzigen Nicht-Chinesen waren – wir haben in der ganzen Stadt Yichang keine Nicht-Asiaten gesehen. Somit wurden wir wieder mit neugierigen Augen betrachtet und fotografiert. Obwohl die Sonne vom Himmel knallte, war die Fernsicht (wie so oft in China) leider etwas diesig. Trotzdem verbrachten wir die ganze Fahrt auf dem oberen Deck. Als wir mittags in der Nähe des Drei-Schluchten-Dammes von Bord gingen, wurden wir mit Shuttle-Bussen zu dem besagten Drei-Schluchten-Hotel gefahren. Wir freuten uns schon auf das schöne Mittagessen.
Die Ernüchterung kam jedoch sofort, als wir das Lokal betraten. Der ganze große Raum war mit runden Gruppentischen vollgestellt, an denen man zu acht oder so essen sollte. Auf den Tischen war eine dünne Plastefolie als Tischdecke, es stand Plastegeschirr rum und das Essen wartete bereits in Schüsseln auf dem Tisch. Es fehlten allerdings ein Stuhl und ein Gedeck an dem uns zugewiesenen Tisch, so dass Jan erstmal rumrennen musste. Alle füllten sich nun in ihre Plasteschalen Reis und fischten dann mit den Stäbchen Essen aus den gemeinsamen großen Schüsseln. Dabei ist zu erwähnen, dass die Chinesen wirklich null Tischmanieren haben. Die knallen sich das Essen so schnell schmatzend und schlürfend hinter, da wird einem wirklich ganz anders.
Der Hammer kommt noch - da der Boden des Lokals so klebrig war, wollte Sabrina den Rucksack nicht auf den Boden stellen und hat ihn an ihre Stuhllehne gehangen. Als sie nun aufstehen musste, um an eine Schüssel zu kommen, ist ihr Stuhl wegen dem Rucksackgewicht hinten über gekippt und sie hat sich voll daneben gesetzt. Oberpeinlich. Dabei hat sie Jan noch das Essen aus Versehen aus der Hand gehauen beim Fallen. Orr hilfe! Nach ca 10 min war die Mahlzeit beendet, weil die Chinesen-Raupen alles verschlungen hatten. Und wir wurden weitergehetzt zum Bus, zum Aussichtspunkt und zurück zum Bus, zur nächsten Haltestation zum Fotostop und so weiter. Übelster Stress! Gegen 16.30 Uhr wurden wir endlich wieder Richtung Yichang gefahren und dieser Ausflug nahm ein Ende.

Sabrinas Stimmung war zu diesem Zeitpunkt weit unter dem Gefrierpunkt angekommen, sie spielte mit dem Gedanken, China so schnell wie möglich zu verlassen. Jan nahm alles wie immer mit gewohnter Gelassenheit, er war allerdings auch schon ein paar Mal mit chinesischen Reisegruppen unterwegs und wusste, was ihn erwartete.






Er war natürlich auch mit ;-)

Einfahrt in eine Schleuse

Schleuse schließt sich :-)


Schon zu lang in China ;-) Die Posen stecken an :-)






Ganz schön braun, das Wasser...

Wetter war wie meist recht diesig
3-Schluchten-Staudamm von oben

Schleuse am 3-Schluchten-Staudamm

Chinglisch ist einfach eine herrliche Sprache

Grad wieder aufgewacht

3-Schluchten-Staudamm

Park in der Nähe des Staudamms



Nach einer kleiner Ausruhpause und einer Dusche nahmen wir abends um 0.40 Uhr den Nachtzug Richtung Jishou, noch weiter im Süden Chinas, in der Provinz Hunan. Dort soll es ein kleines idyllisches Dörfchen namens Dehang geben, welches wir gern sehen möchten. In diesem Dorf lebt eine chinesische Minderheit, Miao genannt.

Sparsam und abenteuerlustig wie wir sind, entschlossen wir uns, einen Sitzplatz in der schlechten Klasse (Hartsitz) für diese 7 Stunden Nachtfahrt zu buchen, für knapp 5 Euro pro Person. Diese Entscheidung bereuten wir jedoch recht schnell wieder. Nicht nur, dass es extrem eng auf diesen Sitzen war – der Zug an sich war brechend voll. Laut Reiseführer sind übrigens zu jedem beliebigen Zeitpunkt etwa 10 Millionen Chinesen mit dem Zug unterwegs. Man hat das Gefühl, all diese Leute sitzen immer genau in unserem Zug…

Die Gepäckablage war so hoch, dass nur Jan unser Gepäck so hoch wuchten konnte, allein hätte ich das nie geschafft. Obwohl im Zug Schilder mit Rauchverbotszeichen angebracht sind, hält sich niemand daran. Auch das überall beliebte geräuschvolle Ausspucken setzt sich leider im Zug fort. Die Leute, die am Fenster sitzen, spucken aus dem Fenster. Die jedoch am Gang sitzen, rotzen einfach auf den Gang. Widerlich!!!! Zum Glück saßen nicht auch noch irgendwelche auslaufenden Babys in unserer Nähe… Alle paar Minuten kommt irgendein Verkäufer von Getränken, Zeitungen oder Plastestühlchen (für die Leute mit Stehplatz) lautstark rufend durch den Gang, so dass an Nachtruhe sowieso nicht wirklich zu denken war. Wir waren heilfroh, als wir den Zug pünktlich um 7.30 Uhr verlassen konnten!

Fazit: Reisen mit chinesischen Reisegruppen und Fahren in der schlechtesten Klasse ist eine Erfahrung, allerdings nicht wirklich empfehlenswert.

2 Kommentare:

  1. Hallo Ihr zwei,

    ich habe gerade wieder herzlich gelacht, über das Erklärbär-Video. Ganz toll gemacht!Aber auf dem Brett mit den Salatblättern war nicht mehr viel und vom erwähnten Schinken gar nichts mehr zu sehen. Habt Ihr immer solchen Heißhunger, daß Ihr erst gegen Ende der Mahlzeit ans Filmen denkt?;-)) Es ist schön, zu sehen, wie gut es Euch geht! Bitte macht weiter so!
    Gerade nachdem ich Euren Bericht über die Flußfahrt gesehen habe, kam folgende Meldung rein: China: Ueberschwemmungen in Teilen Nord- und Zentralchinas
    Stand: 23. September 2011
    Heftige Regenfaelle haben auch in Teilen Nord- und Zentralchinas zu großflaechigen Ueberschwemmungen und zu Erdrutschen in einigen abgelegenen Berggebieten gefuehrt. Besonders betroffen sind aktuell die Provinzen Sichuan, Shaanxi und Henan. Juengsten Medienberichten zufolge kamen bei Ueberflutungen und Erdrutschen in den letzten Tagen ueber einhundert Menschen ums Leben. Nach heftigen Niederschlaegen im Einzugsgebiet des Jangtse-Flusses stieg auch der Pegelstand im Drei-Schluchten-Stausee. Die Jangtse-Kreuzfahrten koennen nach aktuellem Sachstand jedoch ohne Einschraenkungen durchgefuehrt werden.
    So, ich bin schon gespannt auf den nächsten Bericht. Alles Gute für Euch und bis bald, tschüß Ines

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  2. Hallo liebe Ines!

    Schöööön, dass du uns so fleißig schreibst! :-) Zum Glück sind wir nun ja schon recht weit weg von China :-) Aber als wir die Grenze von Tibet zu Nepal passiert haben, hat es auch ein Erdbeben gegeben und einige Erdrutsche. Uns ist zum Glück aber nix passiert.

    Hunger haben wir übrigens immer, ja :-) Reisen macht Appetit :-) Wir sind grad fleißig am Hochladen der Chinaberichte, damit wir langsam mal wieder auf einen aktuellen Stand hier kommen.

    Viele liebe Grüße aus Bhaktapur in Nepal,
    Jan und Sabrina

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