Varanasi – wow, dieser Bericht ist gar nicht so leicht zu schreiben und sollte vielleicht nicht von Personen gelesen werden, die sehr empfindlich sind.
 |
| Bahnhof Varanasi |
Laut unserem Reiseführer ist Varanasi einer der buntesten, unerbittlich chaotischsten und irrationalsten Orte der Welt. :-) Einige Leute, die wir auf unserer Reise trafen, waren völlig begeistert von dieser Stadt. Also sind wir sehr neugierig hier angekommen. Varanasi hat mehr als 1.200.000 Einwohner und ist eine der ältesten ununterbrochen besiedelten Städte der Welt. In der Vergangenheit wurde die Stadt auch Kashi (Stadt des Lebens) und Benares genannt. Varanasi gehört zu den heiligsten Orten Indiens, denn es ist die wichtigste Stadt für alle Hindus. Hinduistische Pilger strömen aus ganz Indien hier her, um sich im heiligen Fluss Ganges von ihren Sünden rein zu waschen oder die Leichen ihrer Angehörigen hier verbrennen zu lassen. Großes Glück haben diejenigen, die in Varanasi sterben, denn der Tod in Varanasi kann den ewigen Kreislauf der Wiedergeburt unterbrechen.
Die Stadt ist vielleicht nichts für zartbesaitete Gemüter oder Leute, die direkt aus Deutschland zum ersten Mal nach Indien kommen. Es sei denn, man möchte einen gehörigen Kulturschock bekommen. :-) In allen Straßen und Gassen liegt jede Menge Müll, Hunde- und Kuhhaufen zwingen einen zum aufmerksamen Beobachten des Weges. Zahllose Kühe, Büffel und Hunde laufen durch die Straßen oder liegen im Weg, daneben ein dichtes Gewühle aus Fahrrädern, Mopeds und Fußgängern. Unterschiedlichste Gerüche wehen einem in die Nase – Müll, Räucherstäbchen, Abgase, Kanalisation (die offen am Wegesrand entlang läuft), Essensgerüche, Feuerduft und der Geruch des extrem schmutzigen Ganges. Komischerweise riecht es überhaupt nicht nach verbrannten Haaren oder verbrannter Haut, denn 24 Stunden am Tag brennen die Verbrennungsfeuer an zwei Stellen am Fluss, den sogenannten Verbrennungsghats. Als Ghat wird eine Stelle am Ufer bezeichnet, die aus Treppenstufen besteht und auch als Anlegestelle benutzt wird. Etwa 80 Ghats säumen den Fluss und zahllose Boote fahren auf dem Ganges oder liegen am Ufer.
 |
Dasaswamedh Ghat an unserem ersten Abend in Varanasi -
Blick vom Restaurant auf dem Dach |
 |
| Ganges in der Morgensonne |
 |
| Sie baden hier und waschen Wäsche :-) |
 |
| Blick über einen Teil der Ghats |
 |
| Steinbalkon am Man Mandir Ghat |
 |
| Der Monsun hat tonnenweise Schlamm angespült |
 |
Eine Minute vorher stand noch ein Mann an dem Geländer,
er wurde von dem Bullen einfach zur Seite gequetscht :-)
Die kennen da nix, die Viecher. |
 |
Ich konnte nicht widerstehen - und wie genüsslich es sich reckte :-)
Das arme Ding hatte die Öhrchen voller Zecken -
zum Glück konnte ich ihm helfen. |
 |
| Die Menschen versuchen, den Schlamm mit Wasserschläuchen weg zu spülen |
 |
| Wäsche trocknen :-) |
 |
| Rasur am Fluss :-) |
 |
| Tempel am Wegesrand |
 |
| Trotz des ganzen Mülls sind die Hundekinder hier fröhlich :-) |
 |
| Auch die Büffel baden hier :-) |
 |
| Blick auf das Ufer vom Boot aus :-) |
 |
| Im Hintergund die andere Seite des Ganges, das Ostufer - ein breiter Sandstreifen |
 |
| Am Turm sieht man gut, wie hoch das Wasser vor 2 Wochen noch stand. |
 |
Manikarnika Ghat, das bedeutendste Verbrennungsghat.
Zu sehen ist auch mittig im Bild ein riesiger Holzstapel. |
 |
| Kaffeelassi und Zitronenlassi versüßen das Warten auf das Frühstück :-) |
 |
| Einer der vielen kleinen Schreine in den Gassen |
 |
| Post :-) |
 |
| Rindviecher :-) |
 |
| Ungewöhnlich sauber, diese Gasse - daher ein Foto wert ;-) |
 |
| Die Büffel werden gewaschen :-) |
 |
| Unklar - sooooo viel Schlamm!!! |



Egal, wohin man sich in Varanasi bewegt – man wird ständig von Indern angesprochen. Es ist gerade unmöglich, eine noch so kleine Strecke zurückzulegen, ohne von irgendwelchen Typen bequatscht zu werden, die einem eine Bootsfahrt, eine Rikscha, ein Tuktuk (sowas wie ein Simson Duo), Haschisch oder eine Hose, einen Seidenschal oder eine Postkarte andrehen wollen. Nicht zu vergessen eine schwimmende Kerze für den Ganges („is good for your family and your charma“), eine Kette, ein Armband oder ein Set an bunten Pülverchen, mit dem man sich hübsche Blumenmuster auf die Haut stempeln kann. Anfangs ist es ja noch ganz nett, wenn man so freundlich angesprochen wird „Hello Sir, hello Mam, how are you? Where are you from?“, aber nach kurzer Zeit nervt es einfach nur noch wahnsinnig. Man kann wirklich nicht einfach mal jemanden freundlich zurückgrüßen, denn sonst wird man diese Typen überhaupt nicht mehr los. Mit einem einfachen „No, thank you“ ist es nie getan. In Varanasi wimmelt es auch von Touristen, einige davon sehr – naja wie soll man sagen – überangepasst triffts vielleicht am Ehesten. ;-)
 |
Eingang zum Ramnagar Fort in Varanasi,
eine Palastanlage aus dem 17. Jahrhundert. |
 |
| Gebäude im Inneren des Forts |
 |
Durch dieses Tor sind wir leider nicht gekommen,
da wir den überteuerten Eintritt nicht zahlen wollten. |
 |
| Fort vom Ufer aus |
 |
| Eines der vielen Ghats mit seiner schönen Bebauung |
 |
| Ebenfalls Ghat-Bebauung |
 |
Dieses Kunstwerk stempelte mir ein kleines Mädchen,
das mir ihre bunten Pülverchen mit den Stempeln verkaufen wollte |
 |
| Beim allabendlichen Fest am Dasaswamedh Ghat gibt es auch tierisches Publikum :-) |
 |
| Haufenweise Menschen kommen per Boot gefahren, um zuzusehen |
 |
| Ganga-aarti-Zeremonie mit Puja (Gebet), Feuer und Tanz |
 |
| Bootsfahrt morgens um 5.30 Uhr :-) |
 |
| Krass, wie schief der Tempel ist und wie weit er noch im Wasser steckt |
 |
| Schwimmkerzen als Opfergaben |
 |
Hier oben wohnt der Chef des berühmten Manikarnika Ghats,
wo die heiligsten Verbrennungen stattfinden |
 |
Baden und waschen :-)
Pilger bei ihren Ritualen |
 |
| Noch etwas müde - war ja aber auch früüüüh :-) |
 |
| Versunken im Hochwasser |
 |
Das ist mal eine typische vermüllte Gasse -
kurioserweise lagen hier allerdings Stofftiere rum.
Man beachte die Kuh im Anmarsch :-) |
 |
| :-) |
 |
Zum Glück war unser Fenster vergittert,
der kleine Besucher ist zwar süß, aber die Viecher sind echt dreist. |
 |
| Überall kleine Tempel in den Gassen |
 |
| Gasse zum Hotel - vertrauenserweckend, oder? :-) |
 |
| Die steht wohl schon ne Weile ... :-) |
 |
| Eines unserer Hotels bzw. Guesthouses |
 |
| Blick über einen Teils Varanasis |
 |
| Sie hatte sich grad eine Blumenkette von einem Stand geklaut :-) |
 |
| Typische Gasse :-) |
 |
Herzallerliebst!!!!!!!!!!
Irgendwer war so lieb, ihnen eine Decke zu geben.
Der Dickmops der kopfüber trinkt, kippte fast vornüber :-) |
 |
| Markt |
 |
| So dünn.... |
 |
Keine Ahnung, wer der junge Mann im Vordergrund ist,
er war plötzlich im Bild :-) |
 |
| Müllberge auch im Ganges |
 |
| Armreifen oder Kette gefällig? :-) |
 |
| Boot voller Inder :-) |
 |
| Welch sonderbarer Schmuck in den alten dreckigen Gassen :-) |
 |
| :-) |
 |
| Der Elektrikermeister :-) |
Eines Abends haben wir uns zu dem Manikarnika Ghat begeben, wo die meisten Verstorbenen verbrannt werden. Dies ist der günstigste Ort für einen Hindu, um verbrannt zu werden. Von einer Plattform kann man die Verbrennungen gut sehen, ohne die trauernden Familien zu stören. Dort informierte uns ein Inder über die Rituale der Verbrennungen. Verbrannt werden hier alle, die eines natürlichen Todes gestorben sind, ausgenommen von 5 Gruppen:
-Schwangere (denn das Baby in der Frau ist unschuldig und rein und muss nicht verbrannt werden)
- Kinder bis 12 Jahre (denn sie sind rein und unschuldig)
- Leprakranke
- Menschen, die von einer Schlange gebissen wurden
- Sadhus (asketische Personen, die nach Erleuchtung streben, denn sie haben ihr Leben rein verbracht)
Diese Menschen werden in ein Tuch gewickelt und mit einem Stein beschwert im Ganges versenkt. Manchmal reißt wohl jedoch das Seil, so dass die Leichen entweder auf dem Fluss treiben oder ans Ufer gespült werden. Entweder fangen dann die Hunde und Vögel an, an den Leichen zu fressen oder jemand entdeckt den Fund rechtzeitig und versenkt die Leiche erneut. Verstorbene Tiere werden ebenfalls in den Ganges geworfen.
Trotz (und auch wegen) dieses Rituals nutzen die Inder den Ganges (ihre heilige Ganga) intensiv: sie nehmen ein rituelles Bad, waschen dort ihre Wäsche und ihre Büffel oder bringen Opfergaben dar. Sie scheinen sich nicht daran zu stören (oder es nicht wissen zu wollen bzw. tatsächlich nicht zu wissen), dass der Ganges extrem verschmutzt und bakterienverseucht ist. Alle 116, am Ganges gelegenen Städte leiten ihre Abwässer ungeklärt in den Fluss, 95 % der Verschmutzung stammen daher. Zum Baden unbedenkliches Wasser sollte weniger als 500 Kolibakterien pro Liter enthalten. Der Ganges enthielt 2009 bei Probeentnahmen 1,5 Millionen dieser Bakterien pro Liter….
Doch zurück zu den Verbrennungen. Wenn jemand gestorben ist, wird er möglichst noch am selben Tag verbrannt. Menschen die weiter weg wohnen, werden extra mit dem Auto oder dem Zug hergebracht. Verstorbene werden zuhause geduscht und eingecremt und in bunte Tücher gewickelt. Dann werden die verhüllten Leichname auf Bambustragen gelegt und von mehreren Personen zum Ganges getragen. Die Träger singen dabei lautstark ein Mantra. Am Fluss angekommen, muss die Familie eine Gebühr entrichten und mittels Totenschein beweisen, dass es ein natürlicher Tod war. Dann muss Holz für die Verbrennung gekauft werden. Man benötigt mindestens 250 kg für eine Person. Der Preis beginnt bei 150 Rupien pro Kilo, das sind knapp 2,25 Euro.
Nun wird die verstorbene Person mit dem Wasser des Ganges benetzt und wenn eine Verbrennungsstelle frei ist, auf einen aufgeschichteten Holzstapel gelegt. Manchmal muss man eine ganze Weile warten, so dass mehrere verhüllte Leichname am Ufer warten. Für das Anzünden des Stapels ist ein Familienangehöriger zuständig. Wenn der Vater gestorben ist, der älteste Sohn. Ist die Mutter gestorben, der jüngste Sohn. Der Ehemann ist für das Anzünden verantwortlich, wenn seine Frau verstorben ist. Der „Anzünder“ muss sich den Kopf rasieren lassen, ein Bad im Ganges nehmen und sich weiße Kleidung anziehen, da Weiß hier die Trauerfarbe ist.
An einem kleinen Feuer, das angeblich schon seit vielen vielen Jahren brennt, entzündet man ein Strohbüschel, damit dann den Holzstapel. Eine vollständige Verbrennung dauert 3 Stunden. Zwischendurch schürt ein „Wächter des Feuers“ den Scheiterhaufen und schiebt den Körper immer wieder in die Flammen. Nach ca. der Hälfte der Zeit zerschlägt er mit einem großen Knüppel das Skelett. Von einer Verbrennung bleiben bei Männern nur der Brustkorb übrig, bei Frauen das Becken. Diese Knochen verbrennen komischerweise einzig nicht. Der Inder erklärte uns, es sei, weil Männer hart arbeiten und ihr Brustbein deswegen so stark sei. Frauen bekommen die Kinder, deswegen ist ihr Becken so stark, dass es nicht verbrennt. Wenn der Haufen runtergebrannt ist, werden Brustbein oder Becken herausgenommen und in den Ganges geworfen.
Anschließend geht die gesamte Familie duschen und dann nach Hause. 10 Tage nach der Verbrennung kommen sie noch einmal wieder zum Ghat. 30 Tage nach der Verbrennung feiert die Familie ein großes Fest. Derjenige, der das Feuer entzündet hatte, darf im kommenden Jahr allerdings kein Fest mehr feiern.
Frauen sind bei den Verbrennungen übrigens nicht zugelassen, weil sie zu sensibel sind und sich einst eine Frau auf den Verbrennungshaufen ihres Mannes geworfen hatte.
Varanasi hat uns wirklich gut gefallen, es ist auf jeden Fall eine Reise wert! Man sollte sich allerdings die Aufdringlichkeit der Händler und Bootfahrer nicht so zu Herzen nehmen, sondern einfach die interessante und faszinierende Stadt auf sich wirken lassen.
Nach 3 Nächten Aufenthalt in Varanasi nahmen wir am 25.10. abends den Zug nach Agra, der 12 Stunden fahren sollte. Dank der folgenden Liste sind wir auch sicher im richtigen Abteil gelandet :-)
 |
| Jans Nachname wird NIE richtig geschrieben :-) |
Echt beeindruckende Bilder!! Bei einigen bin ich aber froh, dass es keine "Geruchsbilder" sind.
AntwortenLöschenHallo ihr zwei!
AntwortenLöschenIch verfolge schon seit einigen Wochen mit Begeisterung euren Blog! Toll, was ihr schon alles erlebt habt. Ich bin selbst seit zwei Wochen (insgesamt 1 Jahr) unterwegs, erst in Thailand und heute nach Malaysia eingereist. Wünsche euch weiterhin viel Spaß, vielleicht trifft man sich ja mal irgendwo auf dem Weg. Die welt ist schließlich klein... ;-)
LG Simone
Ein toller Bericht. Die Fotos geben die Atmosphäre gut wieder. Auch die Bilder von der morgendlichen Bootsfahrt sind super!
AntwortenLöschenAnki ist sprachlos ...
AntwortenLöschenZum Glück seid ihr nicht im Wasser gewesen! Auch nicht mal den Finger reingehalten? ;-)
Suuuuper interessanter Bericht, danke sagen Eiko & Anke :-)
Ganz liebe Grüße
Und schon wieder ein neuer bericht. Schön! :-) Aber ich muss sagen, wenn ich die Bilder sehe und den bericht lese - Indien wäre kein Land für mich... *duck*
AntwortenLöschenDer Ganges scheint ja wirklich nicht sehr sauber, dass die menschen da drin baden, v.a. mit den vielen leichen - gruselig... *brrr*
Die Fotos von der Bootsfahrt am frühen Morgen sind genial, wow. So eine Stimmung kann man sicher nur einfangen, wenn man früh unterwegs ist. Aber da lohnt sich das frühe aufstehen doch...
Liebe Grüße! :)
Ihr Lieben,
AntwortenLöschenich hoffe, ihr seid noch gesund und habt euch nichts eingefangen bei all dem Dreck!!! Meinen Bruder hatte es auf seiner Tour dort voll erwischt. Seid vorsichtig...
In Sorge
Silki
@ Erika:
AntwortenLöschenDa kannste wirklich froh sein, dass es keine Geruchsbilder sind! :-) Obwohl - manchmal riechts auch gut :-)
@ Simone:
Schön, dass du bei uns mitliest! Haben bei dir auch schon kurz rein geschaut - auf Penang waren wir letztes Jahr auch :-) Weiterhin gute Reise und vielleicht treffen wir uns noch :-)
@ Ines:
Da hat sich das frühe Aufstehen zumindest gelohnt :-) Die Atmosphäre war wirklich toll, ein schönes Erlebnis! :-)
@ Anki:
Nein, natürlich haben wir keinen Tropfen des Wassers berührt!!! Gruuuuselig! Obwohl Jan zwischendurch so komische Anwandlungen hatte und überlegte, auch baden zu gehen... :-)
@ Anna:
Sikkim würde dir bestimmt auch gefallen, dieser winzige Teil Indiens war echt schön. Der Rest hier ist anders.... ;-)
@ Silki:
Ach du Gute!! Lieb von dir!! In Varanasi haben wir uns zum Glück nur ekelhafte Mückenstiche eingefangen, das Magenproblem haben wir uns später in Delhi abgeholt... Aber später dazu mehr... Nur soviel bereits vorweg - wir sind wieder fit! :-)